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Rede von Noach Flug auf der "Holocaust Era Assets Conference", Prag, 26.-30. Juni 2009

"Gleichgültigkeit zerstört alles und alle. Wir haben es erlebt."


Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren!

Als Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und Präsident des Interna-tionalen Auschwitz Komitees spreche ich für die Überlebenden der deutschen Konzentrationslager. Wir gedenken unserer ermordeten Familien und der Millionen Opfer, die an den Orten der Asche geblieben sind. Sie sind immer bei uns. Wir vergessen sie nie.

Die Gedenkstätten erzählen unser aller Geschichte.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Am 25. Januar 2009 sind Überlebende und Präsidenten von 10 internationalen Komitees ehemaliger deutscher Konzentrationslager in Berlin zusammen gekommen, um ein Vermächtnis der Überlebenden zu formulieren. Wir haben dieses in die Zukunft gerichtete Dokument dem deutschen Bundespräsidenten und anderen Vertretern der deutschen Politik wie auch dem Ministerpräsidenten der Tschechischen Republik als EU-Ratspräsidenten übergeben. In diesem Dokument heißt es: „Die ehemaligen Lager sind heute steinerne Zeugen. Sie sind Tatorte, internationale Friedhöfe, Museen und Orte des Lernens, besonders für junge Menschen. Sie sind Beweise gegen Verleugnung und Verharmlosung und müssen auf Dauer erhalten werden.“
Ihre Erhaltung und ihre pädagogische Ausstattung sind eine wichtige Botschaft Deutschlands und Europas im Kampf gegen die Giftwolken des Rechtsextremismus und des Antisemitismus, gegen Hass und Intoleranz.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Viele junge Menschen fragen uns nach unseren Erinnerungen und Schmerzen. Ihr Interesse ist für uns eine Hoffnung, dass auch in der Zukunft bekannt sein wird, was in Auschwitz, in Theresienstadt und den anderen Konzentrationslagern geschah: Und wer weiß, was dort geschehen ist, wird auch verstehen, welche Bedeutung es hat, in einer toleranten und dennoch starken Demokratie zu leben, die sich den Menschenrechten verpflichtet fühlt. Dies vor allem ist der Sinn unserer Berichte und unseres pädagogischen Engagements.

Doch unsere Sorge und unser Engagement gelten auch den Überlebenden weltweit. Viele leben in schwierigen sozialen Verhältnissen. Immer wieder greifen die Lager nach ihren Erinnerungen, nach ihren Gefühlen und Träumen. Viele brauchen Unterstützung und ärztliche Hilfe. Sie dürfen in hohem Alter nicht allein gelassen werden.

Wir danken deshalb allen Regierungen und Organisationen, die die Überlebenden finanziell und menschlich begleiten. Wir hoffen weiter auf ihre Hilfe.
Als Hilfe empfinden wir auch diese Konferenz. Wir danken der tschechischen Regierung und allen Beteiligten für ihr Engagement, das uns ermutigt. Die Themen der Konferenz bestärken uns in unserer Arbeit. Für uns alle gilt: Unrecht verjährt nicht, geraubtes Gut muss zurück erstattet werden – um der Gerechtigkeit und der Menschen willen.

Sehr verehrte Damen und Herren: Wir hoffen als Überlebende, dass von dieser Konferenz ein Signal ausgeht, das uns aufruft „wachsam zu sein in unserer eigenen Zeit“, so wie es der amerikanische Präsident Barack Obama vor wenigen Wochen in Buchenwald formuliert hat. Wachsam zu sein angesichts von Diskriminierung, Verfolgung und Ausgrenzung, wie sie beispielsweise Roma heute in vielen europäischen Gesellschaften erleiden müssen.

Gleichgültigkeit zerstört alles und alle. Wir haben es erlebt.

Ich danke ihnen.


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