29. Oktober 2010
Empfang bei Bundespräsident Christian Wulff:
Die Reden
Rede von Noach Flug, Präsident des IAK:
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
ein herzlicher Dank, dass Sie uns begrüßen und in Ihrem schönen Amtssitz empfangen: eine Reise nach Berlin ist für die meisten von uns immer noch und immer wieder eine Reise mit klopfendem Herzen: Wir haben zwei Deutschlands kennen gelernt: Das eine, das in Auschwitz war, wo viele unserer Familien und Freunde geblieben sind und das andere: Das Deutschland, das sich seiner Geschichte stellt und sich eben deswegen der Demokratie, der Toleranz und der Weltoffenheit verpflichtet fühlt und dessen oberster Bürger und Repräsentant Sie sind.
Wir hoffen auf dieses Deutschland, dass es uns in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, mit Antisemitismus und bei der Achtung der Menschenrechte zur Seite steht – auch was die Rechte der Roma in Europa betrifft, die vielerorts diskriminiert und verfolgt werden.
Wir vertrauen auf Deutschland, auf seine Vielfalt und vor allem auf seine jungen Menschen, von denen heute Jennifer und Francisco uns begleiten.
Danke für diese Begegnung. Sie ist uns eine Ehre und Dank auch für die vielfältige Hilfe, die Deutschland der Erhaltung der Gedenkstätte Auschwitz widmet: Ein Zeichen der Würde, das uns berührt.
Rede von Francisco Kiazailua, Auszubildender der Volkswagen Coaching:
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Überlebende,
ich war gemeinsam mit Jennifer und anderen deutschen und polnischen Auszubildenden im Juni 2 Wochen in der Gedenkstätte Auschwitz: Wir haben dort als VW-Azubis bei der Erhaltung der Gedenkstätte geholfen: Wir haben Räume für Ausstellungen gereinigt und Schuhe der jüdischen Menschen restauriert, die als einzige Spur ihres Lebens geblieben sind: Ein Kinderschuh in meiner Hand und viele, viele Gedanken: Wir haben viel gelernt in diesen Tagen, wir haben zusammen geweint und wir haben zusammen gelacht, weil wir jung sind und das Leben gut zu uns ist. Wir haben auch die beeindruckende Geschichte des „B’s“ gehört, das die Häftlinge auf den Kopf gestellt haben: Sie waren so jung wie wir heute sind, sie hatten Mut und sie wollten leben – so verstehen wir das „B“ und die Statue, die unsere Kollegen in Hannover gefertigt haben.
Herr Bundespräsident, auch unsere demokratische Gesellschaft, in der wir alle leben, muss immer wieder mutig beschützt werden: Ich sehe anders aus als die meisten in meinem Land und ich weiß, wovon ich rede.
Und deswegen, sehr geehrter Herr Bundespräsident, sind wir sehr stolz darauf, Ihnen heute gemeinsam mit den Überlebenden diese Statue der Erinnerung, des Mutes und des Lebens übergeben zu können.
Vielen Dank.
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