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Quelle: n-tv

Auschwitz als Museum?

Streit um Gedenkstätte

Erst seit wenigen Monaten ist Piotr Cywinski Direktor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Doch mit seiner Ankündigung, das Ausstellungskonzept künftig ändern und ein moderneres Museum schaffen zu wollen, hat er prompt Wellen geschlagen. Vor allem Holocaust-Überlebende und andere ehemalige Häftlinge reagierten heftig. Auschwitz dürfe nie ein Ort werden, der sich an modernen Ausstellungsmethoden orientiere. Der historische Ort müsse im Vordergrund stehen, fordern israelische Überlebende.

"Dies ist die weltweit älteste Ausstellung über den Holocaust", verteidigt Cywinski seine Idee. "Wir müssen sie wirklich verändern." In der Tat wirkt die Vermittlung der systematischen Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis in der Gedenkstätte Auschwitz altbacken: Plakatwände und nüchterne schwarz-weiß Fotografien, relativ spärliche Erklärungen in polnischer und englischer Sprache - im Zeitalter der Multimediapräsentationen scheint das Konzept überholt.

Doch wer nach Auschwitz kommt, kommt in erster Linie nicht in ein Museum, sondern an einen "Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte", halten ehemalige Häftlinge dagegen. Wer einmal die stummen Zeugen der Vernichtung gesehen hat, die in einem der Lagerblöcke von Auschwitz gesammelten Haare, Brillen, Schuhe, Koffer der mehr als einer Million von den Nationalsozialisten dort ermordeten Menschen, vergisst diese Eindrücke nie. Wer einmal an der Rampe von Birkenau, dem eigentlichen Vernichtungslager, stand, bekommt einen Eindruck von der Größe des Lagers, vom unwirklichen Kontrast zwischen den unschuldig wirkenden weiten Grasflächen an der Stelle der verbrannten Häftlingsbaracken und den grauen Knochenpartikeln, die noch heute immer wieder im Erdreich zu sehen sind.

"Die stärkste Kraft dieses Museums ist seine Authentizität", sagt deshalb auch Noach Flug, ehemaliger Auschwitz-Häftling und Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. "Für uns ist wichtig, dass dieser Ort so bleibt wie im Januar 1945 - mit den Gaskammern, den Krematorien, den Duschen, den Häftlingsblöcken." Einig seien sich die Mitglieder des Auschwitz-Komitees aber auch darin, dass sich einiges ändern müsse.

"Vor allem die Überbleibsel des kommunistischen Ausstellungskonzepts", betont Flug. Denn im kommunistischen Polen waren vor allem das Leid der polnischen Bevölkerung und der Kampf der kommunistischen Widerstandsbewegung betont worden. Der Holocaust und sein ganzes Ausmaß wurden vernachlässigt. Insgesamt brachten die Nazis rund sechs Millionen Juden um.

Dass es behutsame Änderungen geben muss, meint auch Christoph Heubner, ebenfalls im Vorstand des Internationalen Auschwitz Komitees. So hätten in den vergangenen Jahren Frankreich, Ungarn und andere Staaten die Ausstellungen über das Leid ihrer Bürger in Auschwitz eindrucksvoll überarbeitet, während die Hauptausstellung stagniere. Außerdem häuft sich die Anfragen aus Staaten wie der Slowakei und den baltischen Staaten, "die nun auch einen Akzent setzen wollen".

In einer neu gestalteten Ausstellung soll nach dem Willen des Auschwitz-Komitees das Leben der Häftlinge stärker berücksichtigt werden. "Die Besucher sollen etwas über unseren Alltag erfahren, über die gegenseitige Hilfe, über den Widerstand im Lager", wünscht sich Flug. Das Internationale Auschwitz-Komitee habe deshalb grundsätzlich einer Veränderung zugestimmt. Die künftige Gestaltung soll aber mit den Überlebenden abgesprochen werden. Und noch eines ist Flug wichtig: "Es müssen Videointerviews mit uns ehemaligen Häftlingen gemacht werden, damit unsere Geschichte und unser Zeugnis bleiben, wenn wir nicht mehr leben."

Eva Krafczyk, dpa

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