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13. November 2007 Hohe Auszeichnung für Alex Deutsch Europaminister Karl Rauber überreicht Bundesverdienstkreuz 1. Klasse im Rahmen der Filmpremiere „Alex Deutsch Ich habe Auschwitz überlebt“
Der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Karl Rauber, überreichte feierlich am Dienstag (13.11.07) im Kulturhaus Neunkirchen-Wiebelskirchen das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse an Alex Deutsch. Vor der Ordensauszeichnung wurde der Dokumentarfilm „Alex Deutsch Ich habe Auschwitz überlebt“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Über ein halbes Jahr hat die Kamera ihn begleitet. Gemeinsam mit Susanne Schmidt vom Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel reiste Alex Deutsch zu den wichtigsten Stationen seiner Lebensgeschichte von Berlin über Auschwitz und St. Louis nach Neunkirchen-Wiebelskirchen. Minister Rauber würdigte in seiner Ansprache das Engagement des Ordensträgers, der trotz seiner furchtbaren Erfahrungen und vieler Schicksalsschläge nie den Mut verloren hat und sich vehement für Freiheit, Toleranz, Versöhnung und Frieden einsetzt. Für dieses Engagement wurde Alex Deutsch bereits 1986 vom damaligen Bundespräsidenten Dr. Roman Herzog aus Anlass des „Tages der Deutschen Einheit“ mit dem Verdienstkreuz am Bande und im Jahre 2002 von Ministerpräsident Peter Müller mit dem Saarländischen Verdienstorden in Anerkennung seiner Verdienste um die Versöhnung und das menschliche Miteinander ausgezeichnet. Minister Rauber: „Alex Deutsch hat sich als Deutscher jüdischen Glaubens und als Au-schwitz-Überlebender ungeachtet seines schweren persönlichen Schicksals zum Lebensziel gesetzt, besonders jüngere Menschen über die furchtbaren Ereignisse im Dritten Reich zu informieren und ihnen aus seiner Erfahrung näher zu bringen, was Menschen durch Hass und Wahn anrichten können. Mit zahlreichen Vorträgen an saarländischen Schulen klärt Alex Deutsch die Schülerinnen und Schüler über die Gefahren des Nationalsozialismus auf und zeigt auf, was Fanatismus und blinde Wut bedeuten können. Damit leistet er einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung der Zivilcourage in der Bevölkerung und ist gleichzeitig Sinnbild für gelebte Versöhnung und Toleranz.“ Alex Deutsch wurde 1913 als achtes Kind eines Schneidermeisters in Berlin geboren. Er erlebte als Mitbürger jüdischen Glaubens Verfolgung und Inhaftierung unter der damaligen NS-Gewaltherrschaft. Er wurde 1943 in das Lager Auschwitz/Birkenau gebracht, wo er seine getrennt deputierte Ehefrau und seinen 2-jährigen Sohn im Konzentrationslager Auschwitz kurze Zeit danach verlor.Nach dem Ende des Krieges und seiner Befreiung, die mit einem unbeschreiblichen Leidensweg und unsäglichen Schicksalsschlägen verbunden war, wanderte Alex Deutsch im Jahre 1946 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Dort gründete er zusammen mit dem Deutsch-Amerikaner Herbert Kranz 1948 ein Lebensmittelgeschäft. Ende der 70er Jahre wurde er über den internationalen Suchdienst Arolsen auf die im saarländischen Neunkirchen lebende Witwe seines Kameraden, der 1971 an den Spätfolgen der Inhaftierung in verschiedenen Konzentrationslagern verstarb, aufmerksam, weshalb er nach Neunkirchen umsiedelte und einige Jahre später seine Bekannte heiratete. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland berichtet Alex Deutsch in zahlreichen Veranstaltungen, beispielsweise der Landeszentrale für politische Bildung, auch in vielen von ihm selbst organisierten Gesprächskreisen, über die Gefahren des Nationalsozialismus und setzt sich vorbildlich dafür ein, eine Wiederkehr solcher politischer Ereignisse zu verhindern. Darüber hinaus arbeitet er seit vielen Jahren mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Berlin und dem Internationalen Auschwitz-Komitee in Berlin zusammen. Bereits 1995 wurde sein Lebensweg zum ersten Mal vom Saarländischen Rundfunk verfilmt, um sein Wirken einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen. Der neue Film „Alex Deutsch Ich habe Auschwitz überlebt“ (2007) wurde von Saar Toto, dem Verein „Gegen Vergessen Für Demokratie“ und dem AV Medienzentrum Saarbrücken unterstützt. In ihm kommen Familienmitglieder und Wegbegleiter Alex Deutschs zu Wort. So betont Christoph Heubner vom internationalen Auschwitz-Komitee, der auch am Abend anwesend war, die große Wirkung des Zeitzeugen auf junge Menschen. „Es ist eine Geschichte von Frieden und Liebe, die Onkel Alex erzählt“, fügt Judy Deutsch aus St. Louis, Missouri, hinzu. Es sei etwas anderes, es von einem zu erfahren, der dies selbst durchgemacht habe, betont Alex Deutschs Großnichte Dorette Goldberg im Interview. Der Zuschauer konnte in der Gedenkstätte Auschwitz in Polen Alex Deutschs Reise an den Ort mitverfolgen, an dem ihm so viel Leid widerfahren ist. Momente des Erinnerns, des Gedenkens, aber auch des Dialoges dominieren diese Station der Reise des heute 94-jährigen. „Lasst euch nicht hineintreiben in Hass und Gewalt gegen andere Menschen. Lebt miteinander, nicht gegeneinander!“, ist das Lebensmotto Alex Deutschs und gleichzeitig Ausblick des 45minütigen Films. In der Zeit von 1993 bis 2006 war Alex Deutsch trotz seines hohen Alters verstärkt in saarländischen Schulen unterwegs und hat ca. 400 Vorträge zum Thema Nationalsozialismus gehalten. Auf Grund dessen wurde im Jahre 2001 die Erweiterte Realschule in Neunkirchen in „Alex-Deutsch-Schule“ umbenannt. Als Namenspatron der Schule verkörpert er seit vielen Jahren durch sein unermüdliches Wirken in Schulen, durch seine Ansprachen an junge Menschen und seine Gespräche mit Kindern und Jugendlichen in vorbildlicher Weise die Botschaft der Versöhnung. „Ungeachtet seines schweren persönlichen Schicksals hat sich Alex Deutsch nicht in Verbitterung zurückgezogen, sondern tritt gegen Hass und für menschliches Miteinander ein. Er leistet uneigennützig Aufklärungsarbeit zu einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte. Durch sein langjähriges und uneigennütziges Wirken zum Thema „Versöhnung und Toleranz“ hat er sich große Verdienste erworben, die eine erneute Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz der 1. Klasse uneingeschränkt rechtfertigen“, so Minister Karl Rauber abschließend.
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