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Weltweit mit Spannung erwartet wurde der Aufenthalt des Papstes im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau: „Das Mitgefühl des Papstes und sein Interesse an unseren Erinnerungen bewegen uns sehr. Wir erhoffen uns von seinem Besuch einen starken Impuls zur weltweiten Ächtung von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Wir wissen, dass viele junge Menschen durch einen Besuch der Gedenkstätte Auschwitz entscheidende Anstöße erhalten haben, sich für Toleranz und Demokratie zu engagieren. Auch für sie wird der Besuch des Papstes eine Ermutigung sein“, so Noach Flug aus Jerusalem, Überlebender des KZ Auschwitz und Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees im Vorfeld des Besuches.
Schon am frühen Nachmittag ziehen die Menschen an diesem 28. Mai zum ehemaligen Lager Birkenau, wo der Papst mit dem Oberrabbiner Polens und anderen Geistlichen beten und eine Rede halten wird. Der Himmel ist verhangen, Regenwolken treiben bei starkem Wind über das Gelände der Gedenkstätte, ab und zu bricht die Sonne durch.
2000 Journalisten begleiten den Papst auf seiner Reise durch Polen, die Kameras heute suchen vor allem die Überlebenden des Lagers, die aus vielen Ländern gekommen sind, um die Worte des Papstes zu hören: „Papst Johannes Paul II stand hier als Sohn des polnischen Volkes. Ich stehe hier als Sohn des deutschen Volkes, und gerade deshalb muss ich, darf ich wie er sagen: Ich konnte unmöglich nicht hierher kommen. Ich musste kommen. Es war und ist eine Pflicht der Wahrheit, dem Recht derer gegenüber, die gelitten haben, eine Pflicht vor Gott, als Nachfolger von Johannes Paul II und als Kind des deutschen Volkes hier zu stehen …“.
Die Überlebenden verfolgen die Rede des Papstes mit großer Aufmerksamkeit: Gerade im Alter werden die Erinnerungen immer deutlicher.
Mitten unter den Überlebenden sitzen drei Auszubildende von Volkswagen. Sie haben vor wenigen Monaten an einem 14-tägigen Seminar mit polnischen Jugendlichen in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim/Auschwitz teilgenommen: Vormittags arbeiteten sie in Birkenau und legten überwachsene Wege frei, um so die Spuren der ermordeten jüdischen Menschen und die Struktur des Lagers sichtbar werden zu lassen: Heute sind sie hier, um die Überlebenden des Lagers an diesem Tag, der sie emotional so sehr herausfordert, zu betreuen. Still verfolgen alle den Weg des Papstes an den Tafeln entlang, auf denen in vielen Sprachen geschrieben steht: „Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis über anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas. “

Still verfolgen sie auch die Rede des Papstes. Als dieser zum Ende seiner Rede hin über die vielfältigen Initiativen des Lernens und Gedenkens gerade an dieser „Stätte des Grauens“ spricht, steht ein Regenbogen über dem Lagertor von Birkenau.
„ Ein wichtiger Tag“, so Raphael Esrail, Auschwitz-Überlebender aus Paris, „ich hoffe, die Welt hat die Botschaft gehört.“

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