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Pressemitteilung vom 27. September 2007

Im Alter von 93 Jahren ist der Ehrenpräsident des Internationalen Auschwitz Komitees Julius Kurt Goldstein am 24. September in Berlin verstorben.


Julius Kurt Goldstein wurde 1914 in einer deutsch-jüdischen Familie in Dortmund-Scharnhorst geboren. Schon in seiner Jugend wandte er sich den Idealen des Sozialismus zu und wurde Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes.

Als Deutscher, als Jude und als Kommunist – wie er sich selber lebenslang bezeichnete – musste er 1933 Deutschland verlassen. Über Luxemburg, Frankreich und Palästina ging er nach Spanien, wo er in den Internationalen Brigaden gegen den Franco-Faschismus kämpfte. 1942 wurde er von Frankreich aus nach Auschwitz deportiert, wo er die Nummer 58866 erhielt. Er überlebte 30 Monate im Konzentrationslager: Am 11. April 1945 wurde er in Buchenwald befreit.

1951 siedelte sich Julius Kurt Goldstein in der DDR an, wo er von 1957 bis 1976 Journalist und Rundfunk-Intendant war. Seit 1976 engagierte er sich im Internationalen Auschwitz Komitee, dessen Ehrenpräsident er seit 2003 war: „Zeit seines Lebens suchte er die Überlebenden der Konzentrationslager zusammenzuführen: Er fand Wege zwischen Ost und West und kämpfte für die Entschädigung und Würde der ehemaligen Häftlinge weltweit. Über seine Lebenserfahrungen berichtete er vor ungezählten Gruppen von Jugendlichen und Schulklassen bis wenige Wochen vor seinem Tode“, betonte Noah Flug, der Präsident des IAK in Jerusalem.

In einer viel beachteten Rede zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz sagte Julius Kurt Goldstein am 25. Januar 2005 im Deutschen Theater zu Berlin: „Möge Auschwitz-Birkenau – Stätte des Völkermordes an Juden, Slawen, Sinti und Roma und Widerstandskämpfern aus ganz Europa ein Zentrum werden für internationale Begegnungen, das zur Verständigung der Völker, zur Errichtung einer Welt mit mehr Solidarität und Brüderlichkeit beiträgt, eine Welt, in der überall die Menschenrechte geachtet werden, in der Frieden herrscht, in der es nie wieder ein Auschwitz geben wird… . Wenn wir es heute erleben, dass in unserem Vaterland Nazis wieder in Parlamenten sitzen, dass sie auf den Straßen demonstrieren, dann sage ich: Für uns ist all dies unerträglich, wir leiden darunter.“

Julius Kurt Goldstein war Ehrenbürger Spaniens. 2005 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Er hinterlässt seine Frau Margot, 4 Söhne und Enkelkinder.

„Wir trauern um Julius Kurt Goldstein – den Freund, den Weltbürger, den deutschen Juden, der seine Heimat zornig liebte und die ihm unendlich vieles zu danken hat“, betonte Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees in Berlin.

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