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Bericht vom 24. Januar 2008, Münchner Karnevalsumzug gerät zum Politikum
Die Narren wollen am Holocaust-Gedenktag durch die Stadt ziehen. Der Zentralrat der Juden reagiert mit Entrüstung. 20 Wagen, rund 1000 verkleidete Teilnehmer und 30000 tanzende Zuschauer – ursprünglich sollte es ein unbeschwerter, bunter Faschingsumzug von Münchner Narren werden. Doch das Datum – der 27. Januar – hat nun für Streit gesorgt. Der kommende Sonntag liegt nicht nur mitten im dieses Jahr kalendarisch recht frühen Fasching. Der 27. Januar ist als Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau auch der weltweite Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Die problematische Überschneidung ließ den Umzug der Faschingsgesellschaft „Damische Ritter“ zum Politikum werden. Der Zentralrat der Juden übte Kritik. „Mir ist es unverständlich, dass man einen Gedenktag, den Nichtjuden eingerichtet haben, um sich mit Juden gemeinsam an die furchtbaren Ereignisse des Holocaust zu erinnern, jetzt als Freudentag mit Faschingsumzügen feiern will“, sagte Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch. „Steht in keinem Kalender“ Entrüstet ist auch der Präsident des bayerischen Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden, Josef Schuster. Ein Faschingsumzug am Holocaust-Gedenktag, das sei „ein Unterfangen, das an Sensibilitätsarmut kaum zu übertreffen ist“. Besonders verwundert zeigte er sich darüber, dass Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) trotz der Kritik als Schirmherr an der Spitze des Zuges in einem Wagen mitfahren will. „Alle großen Stadtratsparteien sind mit eigenen Wagen dabei“, erklärte Udes Sprecher Stefan Hauf, „die Kritik an dem Termin kam einfach sehr spät und viel zu kurzfristig“. Ude könne daher jetzt nicht mehr absagen. Auch die „Damischen Ritter“, verteidigen sich. Schon Mitte des vergangenen Jahres habe man das Datum ausgewählt und auch eine Genehmigung von der Stadt München erhalten, sagte Sprecher Helmut Wollner. „Hunderten von Leuten haben wir das Datum daraufhin mitgeteilt, und niemand hat uns darauf hingewiesen, dass an diesem Tag ein Gedenktag ist. Und wir selbst haben es auch nicht wissen können, es steht ja in keinem Kalender.“ Verlegen könne man den Zug jetzt nicht mehr. Einerseits sei an diesem Sonntag der einzig mögliche Termin, weil die Karnevalssaison in diesem Jahr so kurz sei, und andererseits sei der Aufwand einfach zu groß. Trotzdem wollten die „Damischen Ritter“ Kritikern entgegenkommen. Sie verlegten die Route des Umzugs, die ursprünglich direkt am Platz der Opfer des Nationalsozialismus im Zentrum von München vorbeiführte. Als weitere Geste des guten Willens sollen Vertreter der „Damischen Ritter“ an diesem Freitag bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus teilnehmen. Doch all das reicht vielen Kritikern nicht. Die Tatsache, dass der Faschingsumzug trotz aller Kritik stattfinden soll, zeige die Gedankenlosigkeit und Ignoranz der Verantwortlichen, sagte Noach Flug, Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. „Ihre Vergesslichkeit und ihre Unsensibilität verbinden sich zu einem absurden Signal.“ Der Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, geht weiter. Auch die Tatsache, dass an diesem Tag im Fernsehen viele Karnevalssendungen liefen, aber so gut wie nichts im Zusammenhang mit dem Holocaust-Gedenktag, sei bedenklich. „Das würde man am Volkstrauertag auch nicht machen, das ist einfach unsensibel.“ (dpa)
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