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Zeitzeugen-BerichteAls du in Birkenau ankamst, hattest du keine Vorstellung des Furchtbaren. Du fühltest etwas, du bemerktest etwas. Heutzutage weiss jeder, dass Menschen vergast wurden, aber für uns war das unvorstellbar. Wir gingen weiter mit dem Gefühl, das könne einfach nicht wahr sein. Du konntest es riechen, aber man wollte nicht verstehen, was man wirklich roch. Nachdem sie die Nummern in unsere Arme tätowiert hatten, mussten wir ins Lager marschieren. Einige Frauen erkannten Verwandte und hoben die Hände vor Bestürzung, als ob sie sagen wollten, wie furchtbar, dass sie auch dich gefangen haben.Während wir in Quarantäne waren, hörten wir von anderen Frauen zweierlei Hinweise. Die einen wollten uns beruhigen und sagten: Es ist alles nicht so schlimm." Andere sagten: Ihr kommt hier nicht mehr lebendig heraus. Heraus kommt man durch die Schornsteine dort." Aber du konntest dich nicht dazu bringen, das zu glauben.
Vor mir standen mein Bruder, der die Nummer 116 bekam und Rittmeister Stachowicz mit Nummer 117. Ich bekam die Nummer 118. Eröffnet wurde die Liste unseres Transports von Stanisław Ryniak mit Nummer 31 und abgeschlossen durch Ignacy Plachta mit Nummer 758. Nach Abschluss dieser Formalitäten trieben uns die Kapos... auf den Appellplatz hinaus, wo wir uns in Fünferreihen aufstellen mussten... Hauptsturmführer Frizsch sagte: Hier ist das Konzentrationlager Auschwitz... Alle Anzeichen von Auflehnung oder Ungehorsam werde ich rücksichtslos unterdrücken. Bei Widerstand gegen Vorgesetzte und Fluchtversuch gibt es die Todesstrafe. Junge und Gesunde haben hier nicht länger als drei Monate zu leben, Priester einen Monat, Juden zwei Wochen. Der Weg aus dem Lager führt nur über den Schornstein des Krematoriums." Mit diesen Prophezeiungen begann an jenem 14. Juni 1940 unser erster Tag im Konzentrationslager Auschwitz.
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