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22.04.2015

«93-jähriger ex-KZ-Mann sollte seine ganze Schuld anerkennen»

 
 
Headlines zum Gröning-Prozess / Collage © IAK

 

 

 

Interview mit Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des IAK, zum Prozess gegen Oskar Gröning. Das Interview wurde in der Aargauer Zeitung veröffentlicht.

Christoph Heubner vom Auschwitz-Komitee fordert, dass der ex-KZ-Mann Oskar Gröning bei seinem Schuldeingeständnis noch viel weiter hätte gehen müssen. Und er sagt, wieso der Prozess für die Auschwitz-Überlebenden so wichtig ist.

von Christoph Reichmuth, Berlin


Warum muss sich der ehemalige SS-Rottenführer Oskar Gröning erst jetzt vor Gericht für seine Zeit in Auschwitz verantworten?

Christoph Heubner: Weil die deutsche Justiz ihre Aufgabe nicht erledigt hat. Es bestand für die Dauer von sieben Jahrzehnten kein wirkliches Interesse daran, SS-Männer zu verfolgen und vor Gericht zu bringen. Die meisten der in den Konzentrationslagern tätigen SS-Leute sind nie vor Gericht gestanden. Nur etwa 0,5 Prozent aller Täter wurden jemals verurteilt. Die neue Rechtsprechung nach dem Urteil gegen den KZ-Wachmann John Demjanjuk 2011, wonach ein Holocaust-Beteiligter auch ohne konkret nachgewiesene Einzeltat bestraft werden kann, hat neue Verfahren noch einmal angestossen. Aber Fakt bleibt: Man hätte in den Jahrzehnten davor mit viel grösserem Aufwand und realistischeren Aussichten auf Erfolg ehemalige KZ-Täter verfolgen können. Doch das wollte Deutschland nicht, weil die Justiz in die Mitte der eigenen Gesellschaft hätte zielen müssen. Dieser Umstand ist und bleibt ein schmutziger Fleck auf der Visitenkarte Deutschlands.


Der Angeklagte Oskar Gröning räumte eine «moralische Mitschuld» am Holocaust ein. Nehmen Sie ihm die Reue ab?

Jedes Zusatzwort zu dem Begriff «Schuld» ist in meinen Augen eine Relativierung. Hier soll «moralisch» heissen: Eine reale, juristische Schuld trage ich nicht. Auschwitz aber war ein Mordsystem, und Gröning hat in diesem System eine Funktion gehabt. Er war nötig, um dieses Verbrechersystem aufrechtzuerhalten.


Gröning stellt sich immerhin seiner Verantwortung, bestreitet die Vorwürfe nicht, plädiert nicht auf Prozessunfähigkeit – so wie viele andere. Gebührt ihm dafür vielleicht sogar – wenn man das so sagen darf – auch etwas Respekt?

Man darf Gröning Mut attestieren. Er hat sich, im Gegensatz zu den meisten anderen, mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt. Ich denke, seine Aussagen vor Gericht sind für die Auschwitz-Überlebenden, die für den Prozess nach Lüneburg gereist sind, sehr wichtig. […]

 

Das gesamte Interview finden Sie im Pressespiegel: Mehr lesen

Zum Interview auf der Website der Aargauer Zeitung: http://www.aargauerzeitung.ch/ausland/93-jaehriger-ex-kz-mann-sollte-seine-ganze-schuld-anerkennen-129061096