IAK :: Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen

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August Kowalczyk: Häftling Nummer 6804 ist tot

August Kowalczyk, Auschwitz-Überlebender mit der Nummer 6804, ist am heutigen Sonntagnachmittag (29.7.2012) im 92. Lebensjahr im Hospiz von Oscwiecim (Auschwitz) verstorben. Der Regisseur, Schauspieler und Autor durchlebte das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau als junger Mensch. In Auschwitz wurde er zur Nummer 6804.

Am 10. Juni 1942 gelang August Kowalczyk mit anderen Häftlingen der Strafkompanie die Flucht aus Birkenau. Die Nummer am Arm jedoch, die man ihm in Auschwitz in die Haut gebrannt hatte, begleitete ihn sein ganzes Leben. Zeit seines Lebens war es sein Ziel, 6804 Gespräche mit vorwiegend jungen Menschen in der ganzen Welt über seine Haft, seine Mithäftlinge und seine Flucht aus Auschwitz zu führen: Ein Erzähler und Zuhörer, der die Jugendlichen durch seine Ausdrucksfähigkeit und seine Herzenswärme für sich gewann. Besonders in Deutschland und in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz hat August Kowalczyk vielen Jugendlichen eine Tür zur Geschichte von Auschwitz geöffnet und sie an ihre Verantwortung für die Zukunft erinnert. Erst vor wenigen Wochen, am 10. Juni 2012, dem 70. Jahrestag seiner Flucht, schloss sich sein Kreis in Birkenau: August Kowalczyk erzählte am Schauplatz seiner Flucht zum 6804. Mal seine Geschichte.
 
August Kowalczyk starb in einem Pflegehospiz der Stadt Oswiecim/Auschwitz, dessen Bau er über Jahre unentwegt und beharrlich betrieben hatte, um der älteren Generation in der Region Oswiecim zu danken, die ihm und anderen Häftlingen des Lagers unter Einsatz des eigenen Lebens geholfen hatten. Das Hospiz wurde erst am 21. Juni 2012 in Anwesenheit des deutschen Gesundheitsministers Daniel Bahr eröffnet.
 
In Berlin betonte Christoph Heubner, Exekutiv-Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees: „Das IAK betrauert den Tod eines großen Pädagogen und Künstlers, der sich trotz der entsetzlichen Erfahrungen in seiner Jugend die offenen Augen eines Kindes bewahrt hatte und die Geschichte präsenter und die Welt freundlicher gemacht hat.“