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Roman Kent, Präsident des IAK: „Wir haben erleben müssen, dass die allermeisten der SS-Täter nie einen deutschen Gerichtssaal von innen gesehen haben.“ / Harsche Kritik an Bundesanwaltschaft und Bundesgerichtshof im Revisionsverfahren Oskar Gröning

Zum Stand des Revisionsverfahrens im Auschwitz-Prozess in Lüneburg gegen den ehemaligen SS-Angehörigen Oskar Gröning erklärte in Berlin der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner:

"Im Juli 2015 wurde in Lüneburg im Verfahren gegen den sogenannten ‚Buchhalter von Auschwitz‘ Oskar Gröning das Urteil gesprochen. Das von Verteidigung und einigen Anwälten der Nebenkläger angestrengte Revisionsverfahren wartet seit über einem Jahr auf einen Abschluss: Der Bundesgerichtshof lässt sich ebenfalls viel Zeit: Dabei wird seine Entscheidung in diesem Falle bahnbrechende Auswirkungen haben. Sie betreffen sowohl die realistische Bewertung des Mordsystems in den Konzentrationslagern und die Rolle aller beteiligten SS-Angehörigen als auch das Urteil im Auschwitz-Prozess von Detmold, das noch laufende Verfahren in Neubrandenburg und alle weiteren derzeit angestrengten NS-Verfahr: Mittlerweile empört dies die Überlebenden der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager und veranlasst sie zu harscher Kritik an der deutschen Justiz, deren fast völlige Untätigkeit sie hinsichtlich der Verurteilung von SS-Tätern über Jahrzehnte verfolgen mussten. Waren die Verfahren von Lüneburg und Detmold für sie Anzeichen einer neuen Denkweise und Haltung bei deutschen Gerichten, so bestätigt sie der jetzige schleppende Verlauf des Revisionsverfahrens in ihrer grundsätzlich negativen Erfahrung."

In New York betonte der Auschwitz-Überlebende und Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Roman Kent:

"Auschwitz-Überlebende haben nicht so viel Zeit wie die deutsche Justiz. Unsere Zeit ist begrenzt. Wir alle sind alt und haben erleben müssen, dass die allermeisten der SS-Täter aus Auschwitz und anderen Lagern über Jahrzehnte nie einen deutschen Gerichtssaal von innen gesehen haben. Die neuen Verfahren von Lüneburg und Detmold waren für uns Ausdruck einer veränderten Einstellung in Deutschland. Deshalb wollen wir noch zu unseren Lebzeiten wissen, ob auch das höchste deutsche Gericht sich nun endlich zu einem realistischen Blick auf die Mordfabriken der deutschen Nazis und die Mitverantwortung aller dort tätigen SS-Angehörigen durchringt.“