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Glosse zum zweiten Verhandlungstag in Neubrandenburg: War schlimm, die Sache – aber gehen Sie doch lieber ins Kino

Auch den zweiten Verhandlungstag zum Thema Auschwitz in Neubrandenburg wird man mit Spannung auf hohen Unterhaltungswert erwarten dürfen: Ein Gericht, das mit nicht erlahmender Teilnahme nach dem Gesundheitszustand des Angeklagten fahndet, ein löwenmutiger Verteidiger, der als Darsteller eines Verteidigers wohl demnächst nach Hollywood wechseln dürfte und ein Gesamtambiente, das – wie mir ein mexikanischer Journalist nach dem ersten Prozesstag mit staunenden Augen erklärte – an Gerichtsverfahren in fernen Ländern erinnert, wo schon zu Beginn des Prozesses alle Beteiligten genau wissen unter welchem Berg von vergilbten Papieren auch dieses Verfahren begraben werden wird.

Um mit dem beteiligten Richter zu sprechen: Herrschaften! Spart Euch die Mühe und auch die Anreise. Wir klären das hier ganz unter uns. Wir machen das schon. Da brauchen wir gar nicht die neunmalklugen Presseheinis aus der ganzen Welt. Und diese ganzen Nebenkläger – Mayr, Müller, Walther, Schulze, deren Namen sich sowieso kein Mensch merken kann, noch viel weniger.

Klar – Auschwitz, war schlimm, die Sache!

Anne Frank - klar, war auch da, als der Angeklagte vor Ort war, bedeutend, bedeutend, berührt auch, sicher: Geht ans Herz. Aber, sehen Sie, Herrschaften: Da gibt es doch jetzt den neuen Film über Anne Frank. Also: Gehen Sie ins Kino. Bei uns ist doch eh nichts los. Na siehste! Geht doch!

Christoph Heubner,
Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees