IAK :: Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen

Stauffenbergstraße 13/14
10785 Berlin
Deutschland

Telefon:
Telefax:

URI: http://www.auschwitz.info/

Service-Navigation:
 
 
 
 

5. bis 8. September 2012 | Oswiecim, Polen

Generalversammlung des Internationalen Auschwitz Komitees

Nach der Kranzniederlegung in Birkenau: Überlebende und junge Deutsche und Polen gedenken. © André Goldstein
Nach der Kranzniederlegung in Birkenau: Überlebende und junge Deutsche und Polen gedenken. 
 

Ergebnisse der Generalversammlung

„Wehrhaft gegen die Feinde der Demokratie vorgehen“

 

Vom 5. bis zum 8. September haben sich in Oswiecim/Auschwitz Überlebende des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz/Birkenau aus elf Ländern zur vierzehnten Generalversammlung des Internationalen Auschwitz Komitees zusammengefunden.

Das Komitee war 1952 in Oswiecim/Auschwitz begründet worden.

In Grußworten dankten unter anderem der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon, der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz und die Präsidenten Polens und Deutschlands Komorowski und Gauck den Überlebenden für ihren jahrzehntelangen engagierten Einsatz im Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und gegen die Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma in Europa. Die pädagogische Arbeit der Überlebenden in der Begegnung mit jungen Menschen und die von ihnen immer wiederholte Ermutigung zur Verteidigung der Menschenrechte und zur Ermutigung der Demokratien wurden von ihnen besonders gewürdigt. In dieser Arbeit fühlen sich die Überleben und die von ihnen begründeten Stiftungen nach wie vor den Vereinten Nationen eng verbunden.

Für die Überlebenden der Lager Auschwitz und Birkenau ist die Bedeutung und Erhaltung des authentischen Ortes, der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, die zentrale Herausforderung. Die Gedenkstätte hat als Friedhof, Tatort und Denkmal für die Zukunft der Menschheit größte Bedeutung. Die Überlebenden danken der Direktion und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gedenkstätte für ihre engagierte und schwierige Arbeit bei der Erhaltung der authentischen Orte, an denen sie, die Überlebenden und ihre Familien gelitten haben oder ermordet wurden. Gleichzeitig betonen sie ihr legitimes Recht an der zukünftigen Arbeit und Gestaltung der Gedenkstätte, besonders in Birkenau, beteiligt zu werden. Sie wünschen mehr als bisher, mit ihren nationalen Organisationen und im Rahmen des Internationalen Auschwitz Komitees in diesem Dialog Gehör und Beachtung zu finden.

Dies gilt auch für die in Frankreich erarbeiteten Vorschläge zur Gestaltung der Erinnerung an die Ermordung der europäischen Juden in Birkenau.

Sorge bereitet den Überlebenden von Auschwitz die personelle und finanzielle Situation vieler anderer Gedenkstätten in Europa, die an die Verbrechen des deutschen Nationalsozialismus erinnern.

Deutschland hat in diesem Zusammenhang weiterhin eine besondere Verpflichtung, die Arbeit dieser Einrichtungen zu fördern. Aber auch die europäischen Institutionen werden aufgefordert hier helfend einzugreifen.

Wir begrüßen in diesem Zusammenhang die gemeinsame Arbeit mit dem tschechischen ESLI-Institut und dem Bundesverband der Beratung für NS-Verfolgte mit einer europaweiten Umfrage auf die Situation der Gedenkstätten aufmerksam zu machen.

Das Internationale Auschwitz Komitee erinnert auch mit Nachdruck an die Theresienstädter Erklärung vom Juni 2009 und der in ihr betonten Notwendigkeit, alle Überlebenden des Holocaust und alle Opfer des Naziregimes in ihrer sozialen Sicherung zu unterstützen. Wir begrüßen die Absicht des Institutes ESLI hierzu in Brüssel eine Regierungskonferenz vorzubereiten. Wir fordern alle nationalen Regierungen, die die Theresienstädter Erklärung angenommen haben, auf, die soziale Absicherung der Überlebenden zu verstärken.

Mit großer Unruhe verfolgen die Auschwitz-Überlebenden die aktuelle Situation der Sinti und Roma in Europa. Zwischen Ausgrenzung, Verfolgung und Bedrohung hat es Europa in vielen Ländern versäumt, Sinti und Roma als Bürger gleichen Rechts zu akzeptieren und zu schützen. Wir fühlen uns den Sinti und Roma, die in Auschwitz das gleiche Schicksal wie die Juden erlitten haben, tief verbunden.

Gleiches gilt für die Entwicklung eines immer wieder aufflackernden latenten Antisemitismus in den europäischen Gesellschaften. Die Bedrohung jüdischer Menschen, auch die der Kinder, ist alltäglich. Dies schmerzt und empört uns.

Es schmerzt uns auch, festzustellen zu müssen, dass bei jungen Muslimen in Europa Verachtung und Hass gegenüber Juden, auch gegenüber Überlebenden des Holocaust, zunehmend und mittlerweile in persönliche Attacken auf den Straßen der Städte übergehen.

Diese Feststellung hat nichts mit Stigmatisierung zu tun, sie beschreibt eine Tatsache, auf die die europäischen Gesellschaften reagieren müssen.

Für uns, die Überlebenden der deutschen Konzentrationslager, ist Europa, sind die Vereinten Nationen ein großes Projekt. Beide sind der permanente Versuch Antworten auf die Schrecken des 2. Weltkrieges und die deutschen Verbrechen in diesen Jahren des Holocaust zu finden.

Wir hoffen, dass das Projekt Europa nicht in der finanziellen Misere erstickt und seine Vision der gemeinsamen Freiheit und der Menschenwürde aller verliert.

Deshalb müssen die Demokratien Europas auch wehrhaft gegen die Feinde der Demokratie vorgehen und faschistische Parteien bekämpfen.

Der deutschen Regierung sind wir dankbar für eine fruchtbare, auch kritische Zusammenarbeit. Wir sind vor allem dankbar für das Gastrecht und die finanzielle Unterstützung, die unser Komitee in Deutschland erhält. Dies gilt auch für das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland, das durch eine finanzielle Förderung die Generalversammlung des IAK mit ermöglicht hat.

Berlin, 9. September 2012

 

Logo Auswärtiges Amt

Wir danken dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland für seine Unterstützung.

Grußworte

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

Ban Ki-moon

Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck

Martin Schulz, Präsident EU-Parlament

Martin Schulz, Präsident EU-Parlament

 

 

Presseberichte über die Generalversammlung

„Die Angst und die Bitternis wächst“

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat ebenso über die Generalversammlung berichtet wie der stern.de, der ORF und das "Hamburger Abendblatt". Diese Beiträge finden Sie im Pressespiegel.

Weitere Artikel erschienen unter anderem in: Financial Times Deutschland, Augsburger Allgemeine, Abendzeitung München, Focus, Giessener Allgemeine, Stuttgarter Zeitung, Hannoversche Allgemeine, Weser Kurier, Neue Presse, Kieler Nachrichten, Ruhr Nachrichten, Märkische Oderzeitung, Halterner Zeitung, Emsdettener Volkszeitung

 

Fotoimpressionen von der Generalversammlung

Gedenken und Kraft schöpfen

IAK-Präsident Roman Kent verliest das Grußwort des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon.
IAK-Präsident Roman Kent verliest das Grußwort des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon.
 
Gedenken der Teilnehmer der Generalversammlung in Auschwitz-Birkenau.
Gedenken der Teilnehmer der Generalversammlung in Auschwitz-Birkenau.
 
Kranzniederlegung in Auschwitz-Birkenau gemeinsam mit Auszubildenden der Volkswagen Coaching GmbH und polnischen Berufsschülern.
Kranzniederlegung in Auschwitz-Birkenau gemeinsam mit Auszubildenden der Volkswagen Coaching GmbH und polnischen Berufsschülern.
 
Vor der Kranzniederlegung im Stammlager Auschwitz I.
Vor der Kranzniederlegung im Stammlager Auschwitz I.
 
Die Auschwitz-Überlebenden Eva Fahidi und Erszebet Szemes aus Budapest vor der Kranzniederlegung in Birkenau.
Die Auschwitz-Überlebenden Eva Fahidi und Erszebet Szemes aus Budapest vor der Kranzniederlegung in Birkenau.
 
Nach der Kranzniederlegung in Birkenau: Überlebende und junge Deutsche und Polen gedenken.
Nach der Kranzniederlegung in Birkenau: Überlebende und junge Deutsche und Polen gedenken.