IAK :: Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen

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22. Januar 2011: Rede zum Internationalen Holocaust-Gedenktag

Rede von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

Rabbi Schneider,
Mr. President,
Exzellenzen,
Meine Damen und Herren

Shabat Shalom. Guten Morgen. Und meine wärmsten Wünsche für das vor uns liegende Jahr. Es ist mir eine besondere Freude heute hier zu sein. Und es ist mir eine besondere Ehre, an diesem Tag der Tage, unter Ihnen Überlebende des Holocaust begrüßen zu dürfen.

Für mich ... für viele Menschen in der Welt ... sind Sie Symbole - Symbole menschlichen Durchhaltevermögens, Symbole der Hoffnung und Symbole der erlösenden Kraft der Erinnerung. In wenigen Tagen, werden Sie und andere Überlebende der nationalsozialistischen Todeslager sich mit der internationalen Gemeinschaft im Hauptquartier der Vereinten Nationen versammeln.

Wir werden zusammenkommen im Gedenken an die Opfer des Holocaust. Es ist ein Tag um an die Toten zu erinnern - die Millionen, die im dunkelsten Kapitel der menschlichen Geschichte untergegangen sind. Es ist ein Tag, um die Leben derer zu feiern, die überlebt haben.

Vor allen Dingen aber, ist es ein Tag zu widersprechen ... All denen zu widersprechen die den Holocaust leugnen, die ihn abzuschwächen versuchen oder ihn weg "erklären" wollen.

Erinnern wir uns auch daran, dass die Vereinten Nationen, zum Teil, geschaffen wurden um zu verhindern dass sich so etwas jemals wieder ereignet. Im besten Sinne, wurden die Vereinten Nationen zu Zeiten tiefen menschlichem Unglücks und nach einer menschlichen Tragödie begründet. Als Generalsekretär der Vereinten Nationen, vergesse ich nie diese wesentliche Aufgabe: Aufzustehen ... sich einzusetzen ... für Menschenrechte und menschlichen Anstand.

Die Unschuldigen dieser Welt zu beschützen.
Sich auszusprechen für all jene, die sonst nicht gehört werden würden.
Denen Hilfe zu bieten die in Not sind.

Rabbi Schneider, wir, die heute hier sind, kennen Sie gut. Sie arbeiten Hand in Hand mit uns in einer Allianz von Zivilisationen. Sie sind eine Stimme der Toleranz und des Vergebens gegen die des Hasses und des Extremismus. Dafür danken wir Ihnen.

Meine Damen und Herren, gestern, im UN-Hauptquartier, traf ich eine Gruppe junger Leute. Sie kamen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Glaubensrichtungen. Sie wurden von einigen Holocaust-Überlebenden begleitet. Was sie vereint hat war das Gedenken. Alle waren Mitglieder des Internationalen Auschwitz Komitees. Jedes Jahr, verbringen diese jungen Leute einige Wochen bei Arbeiten in der Gedenkstätte - sie helfen sie in Stand zu halten, sie erhalten die Vergangenheit für kommende Generationen.

Eine junge Frau erzählt mir vom Reinigen der Schuhe der Opfer. Die Schuhe der Kinder, so klein, haben Sie besonders tief getroffen. Eine weitere junge Person sprach von Auschwitz als einem "schrecklichen Ort". Und dennoch ist es ein wichtiger Ort, sagte sie.

Es ist ein wichtiger Ort, denn jeder der nach Auschwitz geht verändert sich.
Er oder sie wird die Welt nie wieder auf die gleiche Art und Weise sehen.

Gegen Ende unseres Treffens, überraschten Sie mit einem Geschenk. Hier ist es.

Dies ist nicht nur irgendein Buchstabe "B". Es ist eine Replik des "B", welches in der berüchtigten Inschrift über dem Tor von Auschwitz vorkam: ARBEIT MACHT FREI. Gefangenen in Auschwitz wurde befohlen dieses Schild anzufertigen, wurde mir erklärt. Und in Ihrer Wut, beschlossen sie, ein Zeichen zu setzen. Wenn Sie sich die Bilder des Tores genau anschauen, werden Sie sehen, dass das "B" auf dem Kopf steht. Was vielleicht lediglich als blosses Gestaltungsmittel wahrgenommen wird, ist in Wahrheit ein gewagter Akt des Trotzes.

Verborgen in der deutschen Botschaft, die über diesem Tor prangt, übermittelten die Auschwitz-Gefangenen ihre eigene Botschaft: Hier ist nichts richtig. Etwas steht auf dem Kopf. Ganz brutal.

Die Gefangenen sahen Ihre Tat als ein Zeichen der Hoffnung. Ich sehe dies ebenso. Es besteht Hoffnung, wenn man Menschen sieht, die der Tyrannei widerstehen, egal wie gering Ihre Hoffnung gewesen sein muss. Es besteht ebenfalls Hoffnung, wenn man sieht, wie das Nazi-Regime, so bekannt für seine grauenhafte Effizienz, nichts davon mitbekam, was in einem einfachen Schild verborgen war.

Lassen Sie mich zum Ende kommen mit einer Bemerkung, die mir ein weiteres Mitglied der Gruppe gestern gesagt hat. "Für uns", sagt er, "hat die Welt zwei Herzen: eins ist Auschwitz, das Andere die Vereinten Nationen." Das Eine ist das Gedenken der Vergangenheit. Das andere die Verpflichtung, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholen darf.
Nie wieder.

Meine Damen und Herren, die Vereinten Nationen wurden aus Hoffnung geschaffen .... und für Hoffnung stehen sie bis zum heutigen Tag. Erinnern wir uns daran an diesem Anlass des feierlichen Erinnerns.

Lassen Sie uns zusammenarbeiten ,um die UN zu all dem zu machen, was sie sein kann, zu all dem was sie sein muss - eine Kraft für die Demokratie ... ein Streiter für die Freiheit ... ein Leuchtfeuer für die Menschenwürde, die Menschenrechte und das Streben aller Menschen.

Vor allem aber , lassen Sie uns unsere gemeinsame Verpflichtung erneuern, nie wieder eine solche schreckliche Passage in unserer Geschichte zuzulassen. Niemals.

Vielen Dank.