IAK :: Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen

Stauffenbergstraße 13/14
10785 Berlin
Deutschland

Telefon:
Telefax:

URI: http://www.auschwitz.info/

Service-Navigation:
 
 
 
 
Grußwort von Joachim Gauck (© André Goldstein)

 

 

5. September 2012: Generalversammlung des IAK in Oswiecim

Grußwort des Bundespräsidenten Joachim Gauck: "Ich sage für mein Land: Ja, wir werden sprechen."

Sehr geehrter Herr Kent,
 verehrte Überlebende von Auschwitz-Birkenau,
 meine Damen und Herren,

sieben Jahrzehnte sind vergangen, seit Millionen Juden von Deutschen in Todeslager deportiert und planmäßig ermordet wurden. "Auschwitz" ist seither mehr als der Name eines Schauplatzes deutscher Mordtaten. Es ist ein Synonym deutscher Schande und Barbarei geworden; Symbol eines beispiellosen Zivilisationsbruchs, den auch unsere Kultur nicht verhindert hatte, begangen von Deutschen.

Wie können wir Deutsche das schwere Erbe von Auschwitz-Birkenau annehmen, welche Lehren aus dem Unverzeihlichen haben wir auch für verantwortungsvolles Handeln zu ziehen? Was antworten wir, wenn wir in heutiger Zeit Zeugen antisemitischer, rassistischer und rechtsextremistischer Gewalt werden?

Ich bin dankbar, dass das Internationale Auschwitz Komitee diese Fragen bespricht und bearbeitet. Durch seine Arbeit von Berlin aus bleiben die Überlebenden der Lager und andere Engagierte mit Deutschland im Gespräch. In diesen Tagen begegnen Sie in der "Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim / Auschwitz" jungen Menschen aus Deutschland und Polen, die Anteil am Schicksal der Überlebenden nehmen und Ihre Geschichte weitertragen werden. Das hilft uns, Verantwortung nicht nur anzunehmen, sondern sie auch gemeinschaftlich auszuüben.

Nicht vergessen, trauern, sprechen, auch wenn die Worte fehlen! Das ist die Botschaft, die das Internationale Auschwitz Komitee verbreitet. Auch bei meinem Staatsbesuch in Israel vor wenigen Monaten durfte ich diese Botschaft spüren: Im Gespräch mit Zeitzeugen und jungen Israelis und ganz besonders in der Gedenkstätte Yad Vashem. Voller Dankbarkeit denke ich an diese Begegnungen und Gespräche zurück.

Ich sage für mein Land: Ja, wir werden sprechen. Heute und morgen. Und auch dann, wenn eines Tages kein Überlebender der Konzentrations- und Vernichtungslager mehr authentisch erzählen können wird. Der Verlust der Zeugen ist schwer zu ertragen – das spüren wir nicht nur durch den Tod von Noach Flug.

Wir verneigen uns vor ihm und allen, die durch von Deutschen verübte Verbrechen leiden mussten. Und wir bringen unsere Entschlossenheit zum Ausdruck: Wir werden nicht aufhören, mitzuleiden, mitzufühlen, zu trauern; nicht aufhören, an der Seite des Staates Israel zu stehen; nicht aufhören auch, in Deutschland und Europa wachsam und entschlossen zu sein.

Sie, meine Damen und Herren, tragen mit Ihrem Engagement dazu bei, dass wir uns des tiefen Abgrunds deutscher Geschichte lebendig erinnern und so unsere Überzeugungen immer wieder bekräftigen. Für diesen wichtigen Beitrag danke ich den Mitgliedern und Unterstützern des Internationalen Auschwitz Komitees von Herzen.