IAK :: Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen

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Grußwort von Martin Schulz (© André Goldstein)

 

 

5. September 2012: Generalversammlung des IAK in Oswiecim

Grußwort des Präsidenten des EU-Parlaments, Martin Schulz: "Ich fühle mich verantwortlich dafür, dass niemals vergessen wird."

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie kommen heute als Überlebende in Auschwitz unter dem Schwur "Niemals wieder" zusammen. Das erfordert unvergleichlichen Mut und außerordentliche Willensstärke.

Überleben kann eine Bürde sein, wie ich von Überlebenden weiß. Denn der Schrecken hörte mit dem Ende der Gewaltherrschaft und der Befreiung aus den Konzentrationslagern nicht auf. Für niemanden, der solche beispiellose Verbrechen überlebt hat, kann es eine Normalität geben. Der Schritt zurück in die Welt ist schwierig. Zumal der Schritt in eine Welt ist, in der das Grauen mitunter verharmlost und geleugnet wird; eine Welt, in der weiterhin Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz existieren. Die unfassbaren Gräuel haben tiefe Wunden hinterlassen, körperliche und seelische. Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Zumal die Wunden auch auf Gedenkfeiern wie diesen wieder aufreißen können.

Dennoch kommen Sie hier zusammen, um das Gedenken an die dunkelste Stunde der Menschheitsgeschichte aufrechtzuerhalten. Damit wir niemals vergessen, zu welchem Zivilisationsbruch Menschen fähig sind. Sie tun das nicht für sich sondern für uns, die Nachgeborenen. Dafür will Ich Ihnen meinen Respekt aussprechen und Ihnen von Herzen danken.

Als Deutscher und als deutscher Präsident des Europäischen Parlaments fühle ich, dass ich eine besondere Verantwortung habe. Denn was in Auschwitz geschah, wurde im Namen meiner Nation verbrochen. Ich fühle mich verantwortlich dafür, dass niemals vergessen wird. Meine oberste Pflicht als deutscher und europäischer Politiker ist : Niemals wieder!

Mit der europäischen Einigung ist es uns gelungen, die Dämonen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zu bannen. Wir haben dem Hass, der Intoleranz und der Gewalt der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Europa Vergebung, Solidarität und Frieden entgegengesetzt. Doch die Dämonen existieren noch immer.

Die Erinnerung an die schwersten Stunden Europas bestimmt unsere Zukunft. Denn mit dem Gedenken erneuern wir unser Bekenntnis zu unseren demokratischen Werten, in deren Kern das Prinzip steht: "Die Würde des Menschen ist unantastbar".

Ihr Martin Schulz
Präsident des Europäischen Parlaments