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70 Jahre Befreiung von Auschwitz

Gedenkstele Fürstengrube
Gedenkstele Fürstengrube 

Zum Gedenken an die Todesmärsche aus den deutschen Konzentrationslagern 1944 und 1945

Weit über eine Million Häftlinge litten und starben im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Etwa 60 000 von ihnen haben die Befreiung am 8. Mai 1945 erlebt – nur nicht in Auschwitz. Dort befanden sich am 27. Januar 1945, als die Rote Armee das Lager befreite, nur noch wenige tausend Überlebende. Den größten Teil der Menschen hatte die SS seit dem Herbst 1944 nach Westen getrieben, weiter und weiter, oft von einem Lager zum anderen, immer tiefer ins Gebiet des nationalsozialistischen Reiches bzw. in die Gebiete, die Hitlers Schergen noch blieben und die sie bis zum letzten Moment mit allen Mitteln verteidigten.

Die Häftlinge, die Kriegsgefangenen, die Zwangsarbeiter, die sich in ihrer Gewalt befanden, zahlten dafür einen hohen Preis. Hatten Anfang 1945 noch 714 000 KZ-Häftlinge gelebt, so waren es vier Monate später noch höchstens 500 000. Mindestens ein Drittel der Menschen hat in diesem kurzem Zeitraum noch den Tod gefunden: In den überfüllten Konzentrationslagern, auf den Todesmärschen und in den Todeszügen, die sie zu immer neuen Lagern bringen sollten, um zu verhindern, dass die Alliierten sie befreien konnten.
Das Kapitel dieser Todesmärsche und Todeszüge ist der Forschung lange entgangen. Erst vor etwa zehn Jahren hat die Wissenschaft begonnen, sich intensiver mit diesem grausamen Kapitel in der Geschichte des Nationalsozialismus zu beschäftigen. Um es in den Worten Noach Flugs, des Präsidenten des Internationalen Auschwitz Komitees, auszudrücken: „Auschwitz war schrecklich, ein nicht enden wollender Albtraum, aber der etwa 650 Kilometer lange Todesmarsch und Ebensee, das Lager in dem ich befreit wurde, das war die Hölle.“

Diese Hölle wollen wir auf den folgenden Seiten zeigen, um 65 Jahre später an diese Ereignisse zu erinnern:  An die Höllen, durch die so viele Auschwitz-Häftlinge gegangen sind, als es mit Auschwitz schon längst ein Ende hatte.

Allgemein datiert man den Beginn der Todesmärsche auf die befohlene Evakuierung von Auschwitz-Birkenau im Januar 1945. Doch schon im November 1944 wurden etwa 25 000 ungarische Juden an die österreichische Grenze getrieben, dies war eine Strecke von 220 Kilometern. Die Mehrheit von ihnen waren Frauen, etwa ein Fünftel hat diesen Todesmarsch nicht überlebt.

Dann begann im Januar 1945 die Evakuierung von Auschwitz, oft erst nur nach Groß-Rosen, und dann immer weiter nach Westen. Viele Häftlinge haben mehrere dieser Todesmärsche mitmachen müssen. Sie führten zur völligen Überfüllung einiger Lager wie etwa Bergen-Belsen, Ravensbrück oder Ebensee und zu fürchterlichen Lebensbedingungen für die Häftlinge. Zum Ende hin konzentrierten sich die Transporte und Häftlingsmassen  an der Ostssee, in Bayern und bei Mauthausen und dessen Nebenlager Ebensee in Oberösterreich.

In erster Linie hatten diese Transporte vor allem ein Ziel:  Die Arbeitskraft der Häftlinge bis zuletzt rücksichtslos auszubeuten. Dies gilt für die ungarischen Juden, die als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, dies gilt für die unterirdischen Rüstungsanlagen, die bis zuletzt geplant wurden, z. B. die gigantischen Stollen von Dora Mittelbau, in denen schon produziert wurde und die gleichzeitig immer weiter ausgebaut wurden. In Ebensee rückten die Häftlinge bis zu letzt aus, um mit Hacke und Schaufel Stollen für riesige Fabrikhallen zu graben.

Aber es ging nicht nur um die Ausbeutung der Häftlinge, sondern diese Menschen sollten, so ein Himmler-Befehl vom 14. April 45 keinesfalls „lebend in die Hände des Feindes fallen“. Ob die SS  fürchtete, die Häftlinge könnten ihre Verbrechen bezeugen, ist nicht sicher. Es war ihnen aber offensichtlich unvorstellbar, ihre Macht über diese Menschen aufzugeben. Nur so ist zu erklären, dass einige der Todesmärsche nicht auf Befehl, sondern aus Eigeninitiative von SS-Offizieren stattfanden. Etwa im Falle Max Schmidts, des Kommandanten des Auschwitz-Außenlagers Fürstengrube, der „seine“ Häftlinge bis in seinen Heimatort trieb. Gerhard Hoch, der diese Geschichte aufgedeckt hat schreibt dazu: „Dieser, wie auch die späteren Todesmärsche unter seinem Kommando waren ein bis in die letzte Konsequenz verdichteter Ausdruck nationalsozialistischer Auffassung vom menschlichen Dasein, von Recht und Anspruch des Stärkeren, des deutschen Herrenmenschen, und von der Bestimmung der Schwachen und Nichtintegrierten zum Untergang.“

Sicher ist: in diesen allerletzten Kriegsmonaten kam das KZ vor der Haustür der Deutschen an. Unübersehbar waren die endlosen Kolonnen von Menschen, die sich durch die Dörfer quälten, unübersehbar ihr Leid, unübersehbar die Leichen, die ihren Weg säumten: Erschossen, erfroren, aus Schwäche liegen geblieben.

Hiervon sollen die folgenden Erinnerungen erzählen.