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Sea-Lavender Cover

 

Eva Fahidi und die Budapester Companie „The Symptoms“ am 24.1.2016 in Berlin

Ich tanze mein Trauma

Eva Fahidi und Emese Cuhorka
Eva Fahidi und Emese Cuhorka 

Eine quadratische Bühne, schwarz abgehängt. Nur die erste Publikums-Reihe auf Augenhöhe alle anderen sitzen wie in einem Amphitheater. Scheinwerfer an den Seiten. Zwei Frauen treten durch einen der schwarzen Vorhänge. Die jüngere ist Anfang Dreißig. Sie heißt Emese Cuhorka. Weiße kurze Shorts, weißes Unterhemd. Nackte Beine, nackte Füße, kein Schmuck, keine Schminke. Ein weiches Gesicht, hellrote Locken. Die Frau neben ihr ist kleiner. Weiße Haare, ein weißes T-Shirt mit langen Ärmeln, weiße Leggins, nackte Füße. Sie ist älter. Fast dreimal so alt. Sie ist 90 Jahre alt. Sie heißt Eva Fahidi, kommt aus Ungarn und hat das Mordlager Auschwitz überlebt. Die beiden Frauen gehen auf das Publikum zu, bleiben nebeneinander stehen, lächeln.

So beginnt eine fast zweistündige Performance der Budapester Tanzcompanie „The Symtoms“. Eva Fahidi ist Teil dieser Companie. „Sea-Lavender oder Die Euphorie des Seins“ heißt das Stück, das die beiden Frauen schon in Budapest gezeigt haben. Und kurz vor dem 71. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in Berlin. Im TAK Theater im Aufbauhaus, Kreuzberg. Nur ein paar Meter von der Bühne entfernt stand einst die Synagoge des Vereins „Ahawas Reim“ (Nächstenliebe). Kein Stein blieb an dieser Stelle der Stadt auf dem anderen. Eine Gedenktafel erzählt die Geschichte. Immerhin.

Eine 90-Jährige, die den Holocaust überlebt hat: Kann sie sich in eine junge Frau von heute hineinversetzen? Das ist der Gedanke, der Eva Fahidi und die Tänzerin Emese Cuhorka beschäftigt. Den sie in ihrem Tanzduett ausfüllen. Die beiden Frauen reden während ihrer Bühnenbewegungen miteinander. Sie stellen sich Fragen, sie geben Antworten. Sie gehören zusammen und sie bewegen sich fast zwei Stunden lang mit einer bis ins Innerste spürbaren Intention aufeinander zu. Selbstverständlich, als stammten sie aus einer Familie. Als gehörten sie schon immer zusammen. Eva Fahidi bezwingt die Strapazen der Aufführung. Sie hinterläßt beim Publikum ein Herzklopfen. „Ich möchte mich zeigen, mit meinem Trauma, mit meinem Leid“, sagt sie. „Dennoch bin ich ein glücklicher Mensch. Ich genieße das Leben, das tue ich, weil ich es möchte.“

Das ist die Botschaft des Abends.

 

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