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Brief an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltjugendtags der katholischen Kirche

Teilnehmer des Weltjugendtages besuchen die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

Auschwitz-Überlebende wenden sich mit einem Brief und einem Großplakat gegen die Gleichgültigkeit an die Gäste des Weltjugendtages der Katholischen Kirche in Krakau/Polen, zu dem circa 1,5 Millionen junge Teilnehmer aus der ganzen Welt erwartet werden.

Seit dem 20. Juli besuchen junge Menschen aus der ganzen Welt die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die Besuche dauern bis zum 28. Juli 2016 an. In den ersten Tagen werden es täglich bis zu 20 000 junge Menschen sein. Später wird deren Zahl auf bis zu 30 000 ansteigen.

Die Überlebenden von Auschwitz sind gerührt vom großen Interesse der jungen Menschen, die Gedenkstätte zu besuchen und sich über ihr Schicksal und das ihrer Familien zu informieren.

Als Zeichen ihrer Anerkennung und Zuneigung gegenüber den jungen Menschen übermitteln ihnen die Überlebenden den beigefügten Brief, der eine Summe ihrer Erinnerungen und ihrer Lebenserfahrungen von Auschwitz bis zum heutigen Tag enthält.

In Berlin betonte Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees:

"Der Brief der Überlebenden ist eine Botschaft gegen die Gleichgültigkeit und ein Aufruf zum Engagement. Der Blick der Überlebenden auf die Welt dieser Tage ist weder altersmilde noch abgeklärt sondern von tiefer Sorge und Empörung geprägt. Auch deshalb bitten sie die jungen Menschen, ihre Erinnerungen in die Zukunft zu tragen und Verantwortung für die Welt von heute zu übernehmen."

Am 29. Juli 2016 wird Papst Franziskus gemeinsam mit Überlebenden die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen.


Hier der Brief der Überlebenden in deutscher Sprache:

 

 

 

Brief der Überlebenden: "Empört Euch über das Unrecht und die Gleichgültigkeit derer, die das Unrecht geschehen lassen."

 

Liebe Freunde!

Als junge Menschen seid Ihr aus der ganzen Welt nach Krakau gekommen, um gemeinsam mit Papst Franziskus den Weltjugendtag der katholischen Kirche zu feiern.

Wir sind dankbar, dass so viele von Euch in diesen Tagen auch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen wollen. Ihr werdet einen der traurigsten Orte der Welt sehen:

Den Ort, der wie kaum ein anderer zum Symbol für den Mord an den jüdischen Familien Europas, an den Sinti und Roma, den Polen, Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion und zahlreichen politischen Gefangenen aus vielen Ländern Europas geworden ist. Ein Tatort, ein Friedhof, eine Gedenkstätte.

Viele der Opfer waren damals so alt, wie Ihr heute seid. Auch wir als Häftlinge waren junge Menschen in Eurem Alter. Wir liebten das Leben und unsere Familien. Aus Auschwitz und den Feldern der Asche, die Ihr besuchen werdet, sind die allermeisten von uns alleine zurückgekehrt. Wir hatten überlebt und wir überleben bis heute – unsere Erinnerungen an den Hass, die Verfolgung und dann das Grauen von Auschwitz prägen unser Leben bis zum heutigen Tag.

Und dennoch sind wir nicht im Hass auf die Mörder erstarrt, hat uns die Verzweiflung und Bitterkeit nicht stumm werden lassen. Viele von uns Überlebenden haben in den vergangenen Jahrzehnten auf der ganzen Welt über ihre Erinnerungen berichtet: Wir haben Bücher geschrieben, Filme gedreht und immer wieder das Gespräch mit jungen Menschen, mit Euch gesucht.

Deshalb ist Euer Besuch in Auschwitz für uns besonders wichtig: Wir wollen nicht, dass dieser Ort des Grauens in die Stille fällt.

Wir hoffen, dass Ihr unsere Erinnerungen bewahrt, dass Euch gerade hier in Auschwitz deutlich wird, wie bedroht und zerbrechlich die Welt ist: Auch in diesen Tagen durchzieht viele Länder die Abneigung gegen Fremde, rechtsextreme und fundamentalistische Gewalt vermehren sich, der antisemitische Hass ist immer noch nicht erloschen. Menschen verachten die Demokratie, hetzen gegen Flüchtlinge und schreien nach den giftigen Antworten alter Zeiten.

Und deshalb bitten wir Euch heute:

Liebt und schützt Eure Welt, seid besorgt um Eure Familien und Eure Mitmenschen!
Empört Euch über das Unrecht und die Gleichgültigkeit derer, die das Unrecht geschehen lassen. Die Welt ist in Eure Hände gelegt, so wie unsere Erinnerungen.
Schützt die Toleranz und die Demokratie, habt Freude am Leben: Das ist das Ergebnis unserer Erfahrungen und das wollen wir Euch mitgeben – bei Eurem Besuch in Auschwitz und für Euer zukünftiges Leben.

Wir danken für Euren Besuch

Die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau
im Internationalen Auschwitz Komitee


 

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