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Pressemitteilung des Internationalen Auschwitz Komitees

12.12.2016

30 Jahre Internationale Jugendbegegnungsstätte Oswiecim/Auschwitz

 
 
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Es war Willy Brandt, der 1977 auf dem Evangelischen Kirchentag in West-Berlin am Stand der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste den ersten symbolischen Baustein für ein Projekt erwarb, das vielen Deutschen in Ost und West am Herzen lag: Eine internationale Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz zu bauen, dem Ort, der wie kaum ein anderer für den Völkermord an den jüdischen Familien Europas und die mörderische Bedrohung des polnischen Volkes durch die Nazis steht.

Willy Brandt sah dieses über lange, zähe Jahre propagierte und mit zahllosen Rückschlägen und Desillusionierungen verbundene Projekt  durchaus im Kontext seines Kniefalls am Denkmal des Warschauer Ghettos im Jahre 1970 und er hoffte auf die Realisierung dieses Planes, weil er auf junge Menschen vertraute, die seine "Ostpolitik" mit Leben und mit Zukunft erfüllen würden. Dass ein solcher Bau gerade in Auschwitz für Deutsche ein fast vermessener Plan zu sein schien, war vielen Beteiligten bei der Aktion Sühnezeichen/Friendensdienste bewusst: Zu tief waren die Wunden der Nazi-Verbrechen und zu nahe die Erinnerungen, die viele der Opfer in aller Welt noch immer traumatisierten. Dass auch die letzten Nachwehen des kalten Krieges zwischen Ost und West dem Sühnezeichen-Vorschlag nicht förderlich waren, wurde bei vielen vergeblichen Besuchen in den Amtsstuben der Warschauer Regierung mehr als deutlich.

Letztendlich waren es die Überlebenden des Lagers, die im Januar 1986 zu dem Entwurf eines Isnyer Architekten ja sagen konnten und das Projekt legitimierten: Die moralische Autorität der ehemaligen Auschwitz Häftlinge setzte den politischen Alltag außer Kraft und verlieh allen Beteiligen Flügel, so dass es gelang, einen ersten Bauabschnitt in Zusammenarbeit mit einem süddeutschen Fertighausunternehmen noch im Jahr 1986 fertigzustellen. Und natürlich fand die feierliche Einweihung am 7. Dezember statt, dem Tag, an dem Willy Brandt 1970 in Warschau den deutsch-polnischen Grundlagenvertrag unterschrieben hatte.

Seitdem haben Jugendliche aus der ganzen Welt die Begegnungsstätte besucht und an Seminaren und Projekten teilgenommen. Nach wie vor stößt ein Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bei jungen Menschen auf großes Interesse: 60 % der zwei Millionen Besucher, die im Jahr 2016 das Gelände der ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager aufgesucht haben, waren junge Menschen unter 26 Jahren. Ihnen bietet die Internationale Jugendbegegnungsstätte Möglichkeit zur Aufarbeitung und Reflexion ihrer Eindrücke.

Dabei sind die Fragen der jungen Menschen in die Geschichte aber auch in die Gegenwart und Zukunft gerichtet: Weil die Eindrücke von Auschwitz mit großer Intensität wirken, gewinnen auch ihre Gedanken über ihre eigene Lebenssituation und die politische Welt, in der sie leben und in der sie zukünftig leben wollen an Intensität und Dringlichkeit.
 
Bei der Festveranstaltung in Oswiecim dankten Gäste aus Polen und Deutschland für die pädagogische, kulturelle und politische Kreativität und Kontinuität, mit der das Team der IJBS eine der deutlich wahrnehmbarsten Konstanten im deutsch-polnischen Dialog darstellt.

Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees und Mitbegründer der IJBS, betonte in Oswiecim:


"Auch nach 30 Jahren ist in und um Auschwitz nichts erledigt, ist nichts in die Vergangenheit gefallen: Der Blick in die Geschichte ist wichtig, um zu verstehen, welchen Bedrohungen heute die Demokratie durch rechten Hass und Intoleranz ausgesetzt ist. In der Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim wird auch vermittelt, wie wichtig es ist, die Demokratie zu schützen und seine Mitmenschen zu achten."

 
 
 

Für Rückfragen / for further Information

Christoph Heubner

Exekutiv-Vizepräsident 

Internationales Auschwitz Komitee

Telefon: ++ 49 (030) 26 39 26 81