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29.07.2026

„Die Überlebenden des Holocaust nehmen Ihre Entschuldigung nicht an“

 
 
Berlin, 25. Juli 2026, CSD Berlin 2026, CSD-Parade, Wagen 1 ist um 16:50 Uhr auf der Zielgeraden, Sonnenschirm in Regenbogenfarben, das Brandenburger Tor ist im Hintergrund, Demonstrationszug von der Leipziger Straße zum Brandenburger Tor, CSD-Motto: Haltung ist hot, Hunderttausende Teilnehmer, bunt geschmückte Wagen. Demonstration der queeren Community für gesellschaftliche Vielfalt und Demokratie. Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Berlin, 25. Juli 2026, CSD Berlin 2026, CSD-Parade, Wagen 1 ist um 16:50 Uhr auf der Zielgeraden, Sonnenschirm in Regenbogenfarben, das Brandenburger Tor ist im Hintergrund, Demonstrationszug von der Leipziger Straße zum Brandenburger Tor, CSD-Motto: Haltung ist hot, Hunderttausende Teilnehmer, bunt geschmückte Wagen. Demonstration der queeren Community für gesellschaftliche Vielfalt und Demokratie. Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

 

 

 

Ein offener Brief an den Gastwirt von Leinefelde, der den Abbruch des Berliner CSD nach dem mörderischen Angriff auf dessen Teilnehmer mit den Worten „Ab nach Auschwitz und weg mit Euch“ kommentierte.

Sehr geehrter Herr Gastwirt in Leinefelde!

„Ab nach Auschwitz und weg mit Euch“, das haben Sie als Kommentar zur Evakuierung der Teilnehmer des CSD- Tages nach dem mörderischen Überfall auf den CSD-Aufzug in Berlin in den sozialen Medien die Welt wissen lassen. Und jetzt prasseln die Reaktionen auf Sie ein, Ihre Angestellten und Ihre Frau oder Partnerin sind fassungslos: Was ist bloß in den Mann gefahren? Aber manche in Ihrer Umgebung haben Ihnen sicherlich auch mehr oder weniger diskret auf die Schulter geklopft: Recht haste ja, warte ab, bald ist das vergessen! Und bestimmt erreichen Sie auch Nachrichten im Netz, die Sie zu Ihren offenen und mörderischen Worten beglückwünschen und in der Masse der Hasser willkommen heißen. 

Was tun? Soll ich Sie einladen, die Gedenkstätte zu besuchen? Sie wissen doch längst, was dort geschehen ist, dass man Menschen sogenannten medizinischen Experimenten unterzogen, dass man Menschen durch Sklavenarbeit, durch alltägliche Brutalität und organisierten Massenmord getötet hat. Das wissen Sie doch alles. Deswegen haben Sie ja ihren Text geschrieben.

Was für ein Hass muss in Ihrem Kopf und welche Dunkelheit muss in Ihrer Seele stecken? „Weg mit Euch“, was meinen Sie damit? Einsperren, lebenslang, oder gleich ins Gas? Lebensunwertes Leben: Weg mit Euch! Und nun? Was wird jetzt? Sie haben sich entschuldigt! Bei den Betroffenen, den queeren Menschen auf dieser Erde und auch bei Überlebenden des Holocaust. Wofür? Sie haben doch genau das geschrieben, was Sie denken.

Die Überlebenden des Holocaust nehmen Ihre Entschuldigung nicht an:

Sie haben ja niemanden auf den Fuß getreten, sondern Menschen mit dem Tode bedroht und politische Verhältnisse herbeigeredet, die ein neues Auschwitz in die Welt bringen. Sie wollen ein anderer Mensch werden, einer der nicht hasst? Bevor Herr Höcke aus der Nachbarschaft bei Ihnen vor der Gasthaustür steht, ruft Sie ja vielleicht mal der Priester Ihrer Gemeinde an und lädt Sie ein zu einem Gespräch über einen Satz, der sinngemäß im alten und neuen Testament der Bibel zu finden ist: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“

Grüße

Christoph Heubner

Exekutiv Vizepräsident
Internationales Auschwitz Komitee