Hamburg setzt ein starkes Zeichen der Erinnerung: Die bisherige Bergiusstraße in Ottensen wird künftig Esther-Bejarano-Straße heißen.
Die Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen hat am 3. August 2026 auf Vorschlag der Bezirksversammlung Hamburg-Altona die Umbenennung beschlossen. Am 15. Dezember 2026, dem 102. Geburtstag Esther Bejaranos, soll die neue Straße mit einer öffentlichen Feier eingeweiht werden.
Esther Bejarano, die 2021 im Alter von 96 Jahren in Hamburg starb, hatte Auschwitz und Ravensbrück überlebt. Als Musikerin, Zeitzeugin und langjährige Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland wurde sie über Jahrzehnte zu einer der eindringlichsten Stimmen gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und das Vergessen.
Für Überlebende von Auschwitz und ihre Familien ist diese Entscheidung weit mehr als eine Straßenumbenennung. Esther Bejarano hat bis ins hohe Alter nicht aufgehört, sich einzumischen, zu widersprechen und besonders jungen Menschen ihre Erfahrungen und ihre Hoffnung auf eine menschlichere Welt mitzugeben.
Dass ihr Name nun dauerhaft zum Hamburger Stadtbild gehören wird, ist deshalb ein Zeichen, das weit über Hamburg hinausweist:
Esther bleibt. Ihre Stimme bleibt. Und ihre Mahnung bleibt.
Eine besondere Bedeutung erhält die Umbenennung auch dadurch, dass der bisherige Namensgeber, der Chemiker und Unternehmer Friedrich Bergius, aufgrund seiner NS-Belastung als nicht mehr würdig für eine Straßenbenennung angesehen wird. Hamburg ersetzt damit einen belasteten Straßennamen durch den Namen einer Frau, die Verfolgung und Vernichtung überlebt und ihr weiteres Leben dem Kampf gegen Menschenverachtung gewidmet hat.