Es sind oft nicht die großen Worte der Geschichte, die uns am tiefsten berühren. Es sind die leisen Stimmen, die abgebrochenen Sätze, die Erinnerungen am Rand – die Fußnoten eines Menschheitsverbrechens. Genau hier setzt das Projekt des Fotografen Sven Ellerbrock „Auschwitz Fußnoten“ auf der Plattform Startnext an.
Es sucht nach den Spuren jener Menschen, deren Leben durch das konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz zerstört wurde – und deren Geschichten oft nur fragmentarisch überliefert sind. In diesen Fragmenten, in den scheinbar kleinen, übersehenen Erinnerungen, liegt eine Wahrheit, die sich jeder Vereinfachung entzieht: die Wahrheit von Angst, Entwürdigung, Verlust – aber auch von Würde und Überleben.
In einer Zeit, in der die letzten Überlebenden uns verlassen, droht nicht nur das Vergessen, sondern auch die Verflachung der Erinnerung. Projekte wie dieses stemmen sich dagegen. Sie erinnern uns daran, dass Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern in jedem Erzählen neu entsteht – oder verloren geht.
„Auschwitz Fußnoten“ ist deshalb mehr als ein künstlerisches oder dokumentarisches Vorhaben. Es ist ein stiller, eindringlicher Appell: hinzusehen, zuzuhören, sich berühren zu lassen. Und die Verantwortung anzunehmen, die Erinnerungen weiterzutragen – auch dort, wo sie brüchig, unvollständig und schmerzhaft bleiben.
„Auschwitz, Fußnoten“ dokumentiert Orte des KZ-Systems Auschwitz mit einem Fokus auf ehemalige Außenlager für Zwangsarbeit. Viele dieser Orte liegen außerhalb des heutigen Museums und sind kaum sichtbar. Das Buch erscheint begleitend zu einer Ausstellung im Mahnmal St. Nikolai in Hamburg.
Das Internationale Auschwitz Komitee sieht in solchen Initiativen einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Gleichgültigkeit und Geschichtsvergessenheit. Denn solange wir auch die leisen Stimmen hören, bleibt die Erinnerung lebendig.
Link zum Projekt „Auschwitz Fußnoten“ auf der Plattform Startnext