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05.12.2020

Kniefall von Willy Brandt: Ein bis heute gültiger Aufruf, sich mit den dunklen Seiten der eigenen Nationalgeschichte auseinanderzusetzen

 
 
Foto: adn / Konzept: Christoph Heubner, Karl Lehmann

 

 

 

Weltweit gedenken in diesen Tagen Überlebende des Holocaust des 7. Dezembers 1970 als Bundeskanzler Willy Brandt in Warschau vor dem Ghetto-Denkmal knieend die Schuld seines Vaterlandes gegenüber den Juden Europas und dem polnischen Volk bekannte, an der er persönlich keinen Anteil hatte. Umso mehr hat seine Geste des Mitgefühls und des Bewusstseins deutscher Schuld und Verantwortung all jene Menschen in der Welt beeindruckt, die in den Jahren der Nazi-Diktatur und während des 2. Weltkrieges Leid, Verfolgung und Tod durch Deutsche erfahren hatten.

Hierzu betonte in Warschau in einem Interview mit der Journalistin Gabriele Lesser der Auschwitz-Überlebende und polnische Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees Marian Turski:

"Für mich war dieses Schuldbekenntnis damals eine ungeheure Genugtuung. Die Atmosphäre in Polen war noch immer durchdrungen von der antisemitischen Hetze der kommunistischen Partei im März 1968 und vom Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei. Es war deshalb großartig diese Geste in Warschau zu erleben – kurz nach dem Ende des Prager Frühlings. Für mich ist dieser Kniefall aber auch ein bis heute gültiger Aufruf, sich mit den dunklen Seiten der eigenen Nationalgeschichte auseinanderzusetzen und sie für sich anzuerkennen. Denn es gibt keine Nation, die sich in ihrer Geschichte nur engelsgleich und gut verhalten hätte."

Und in Berlin fügte Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des IAK hinzu:

"Willy Brandt hat sich mit dieser Geste tief in die Herzen der Holocaust-Überlebenden und vieler Menschen in Polen eingeschrieben und der deutschen Nachkriegsdemokratie eine menschliche Legitimität und Glaubwürdigkeit verliehen, von der sie bis heute zehrt."