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19.08.2026

Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma 2026: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma richtet Appell an Europa

 
 
2.8.2026 Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma 2026 in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma richtet Appell an Europa. Romani Rose (Mitte) und Roman Roman Kwiatkowski überreichen den Appell an Petra Bayr, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma/Jarosław Praszkiewicz.

2.8.2026 Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma 2026 in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma richtet Appell an Europa. Romani Rose (Mitte) und Roman Roman Kwiatkowski überreichen den Appell an Petra Bayr, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma/Jarosław Praszkiewicz.

 

 

 

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma an die Mitgliedstaaten des Europarates und der Europäischen Union: Antiziganismus in Europa besser mit Wissensvermittlung begegnen.

In der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau wurde am 2. August 2026 an die Ermordung der Angehörigen der Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor 82 Jahren erinnert. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden 4300 Sinti und Roma, überwiegend ältere und kranke Menschen sowie Kinder, von der SS gegen ihren erbitterten Widerstand in die Gaskammern von Auschwitz getrieben.

Das Europäische Parlament hatte im Jahr 2015 den 2. August zur Erinnerung an die 500.000 Angehörigen der Minderheit, die im NS-besetzten Europa ermordet wurden, zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma, erklärt. Auch deshalb hat eine international besetzte Delegation des Europarates an der Veranstaltung teilgenommen.

APPELL

an die Mitgliedstaaten des Europarates und der Europäischen Union Antiziganismus in Europa besser mit Wissensvermittlung begegnen.

Mit 10 bis 12 Millionen Menschen sind Sinti und Roma die größte autochthone Minderheit Europas. Viele europäische Staaten haben sich durch völkerrechtliche Abkommen zu ihrem Schutz und ihrer gesellschaftlichen Gleichstellung verpflichtet.

Trotz ihrer über 600-jährigen Geschichte erfahren sie in ihren Heimatländern Rassismus, der sich in apartheidähnlichen Lebensumständen zeigt. Antiziganistische Feindbilder und Klischees sind in der europäischen Geschichte seit Jahrhunderten tief verwurzelt. Sie waren Grundlage für Übergriffe, Pogrome und Verfolgung, die zum Holocaust an 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa geführt haben.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht in den Wahlerfolgen demokratiefeindlicher Parteien eine bedrohliche Entwicklung. Diese nutzen die Zukunftsängste der Bevölkerung und schüren wieder Hass und Hetze gegen Sinti und Roma in Europa. Allein in Deutschland haben die antiziganistischen Vorfälle in den letzten zwei Jahren um fast 65 Prozent zugenommen. Auch in Südosteuropa kommt es immer wieder zu gewaltsamen Angriffen auf Romasiedlungen, fast überall in Europa gibt es antiziganistische Übergriffe.

Die Europäische Union, der Europarat und die OSZE haben ihre Mitgliedstaaten in den letzten Jahren dazu aufgerufen, diesem Antiziganismus in der Gesellschaft auch durch Information und Aufklärung über die 600-jährige Geschichte von Sinti und Roma in den Bildungseinrichtungen entgegenzuwirken. Dies ist heute mehr denn je nötig.

Eine Evaluation des Europarates vom 4. März 2026 kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Geschichte und Kultur von Sinti und Roma in den Schullehrplänen vieler Mitgliedsstaaten weiterhin nicht oder nur unzureichend behandelt werden.

Auschwitz symbolisiert die Erhebung des Antiziganismus zur Rassenideologie, mit deren Begründung 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa ermordet wurden. Der Kampf gegen Antiziganismus ist eine europäische Aufgabe, getragen von den demokratischen Werten und Zielsetzungen aller Mitgliedstaaten.

Auschwitz-Birkenau, 
2. August 2026

Romani Rose                 Roman Kwiatkowski